Examen ohne Rep – ein Erfahrungsbericht

Heute erscheint auf der erste Gastbeitrag. Er kommt von Maria Rüger, die an der Universität Passau Jura studiert hat und 2009 erfolgreich ihr erstes Staatsexamen abgelegt hat. Hier schildert sie ihre Erfahrungen mit der Examensvorbereitung ohne kommerzielles Repetitorium.

Nach den großen Scheinen kommt für uns Jura-Studenten die große Entscheidung: Gehe ich in ein kommerzielles Repetitorium oder wage ich es die Examensvorbereitungen auf eigene Faust anzugehen? Viele von uns sind immer noch verunsichert. Schließlich hängt von dem Bestehen unsere Zukunft als Juristen ab. Ich habe auf das kommerzielle Repetitorium verzichtet und habe das erste Examen sicher bestanden. Hier nun ein paar Erfahrungen, die ich aus meiner Examenszeit erlangt habe:

Die Entscheidung

Man sollte die Entscheidung nicht vorrangig von der finanziellen Seite abhängig machen. Auch wenn man sich die Gebühr ohne Probleme leisten kann, sollte man sich fragen, ob es wirklich hilfreich ist diesen Kurs zu besuchen. Auszugehen ist immer vom eigenen Lernverhalten. Lerne ich wirklich was, wenn ich innerhalb einer großen Gruppe eine umfangreiche Menge an Stoff vermittelt bekomme? Man sollte bedenken, dass der Stand der Vorkenntnisse der Studenten völlig unterschiedlich ist. Die Kurse nehmen zudem einen großen Zeitumfang in Anspruch, so dass wenig Zeit zum Nacharbeiten bleibt. Viele Studenten brauchen deshalb nach dem kommerziellen Repetitorium noch Zeit, um das zu wiederholen, was sie noch nicht verstanden haben. Einige dieser Erkenntnisse bekommt man mitunter in einer selbstständigen Vorbereitung viel eher. Auch wenn die Herausforderung zunächst groß erscheint, ist der selbstständige Weg zum Examen mit einigen Tricks viel leichter und oft auch erfolgreicher als man denkt.

Der Stoff

Das große Fragezeichen am Anfang der Examensvorbereitung, ist der Überblick über den Stoff, den man noch mal wiederholen muss bzw. vertiefen muss. Und wie so oft hilft hier ein Blick ins Gesetz: In den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen steht explizit, was geprüft wird. In den Lehrbüchern und Skripten findet man die wichtigen dazugehörigen Teilbereiche. Man sollte sich klar darüber werden, was man bereits kann und wo man Probleme hat und dies am besten in einer Liste markieren. Das ist wichtig für die spätere Zeiteinteilung.

Der Lernplan

Hat man die Stoffliste zusammen, muss ein Lernplan erstellt werden. Er hilft, ein Ziel vor den Augen zu behalten und sich immer wieder kleine Erfolge zu verschaffen, wenn man wieder ein Themenbereich abgehandelt hat. So wie jeder von uns verschieden lernt, gibt es kein Patentrezept für die Zeitdauer auf welche man diesen Plan anlegt und wie detailliert man ihn erstellt. Ob man sich ein halbes Jahr oder anderthalb Jahre Vorbereitungszeit gibt, hängt von vielen Faktoren ab. Man sollte sich fragen, ob man besser unter Zeitdruck lernt oder ob sich das gerade negativ auswirkt. Wichtig ist zu wissen, dass man nie alles lernen kann. Man sollte sich die Zeit geben um ein sicheres Grundverständnis über die verschiedenen Themenbereiche zu erlangen. Die Dauer ist dann abhängig von den Vorkenntnissen. Ich habe die Entscheidung getroffen, die Vorbereitungszeit zunächst auf ein halbes Jahr zu beschränken und bin mit Zeit gut zu Recht gekommen. Zumal ich sehr gut arbeiten kann, wenn ich ein nahes Ziel vor Augen habe. Wie umfangreich detailliert euer Plan aussehen muss, ist wiederum nur von euch selbst abhängig. Es muss nicht in jedem Kalenderblatt eines ganzen Jahres ein genauer Themenkomplex festgehalten werden. Unter Umständen kann dies auch sehr stressig werden, wenn das Leben mal dazwischen kommt. Ich habe mir aber Zeitfenster aufgestellt, in denen ich mit einem Thema durch sein wollte. So fehlte mir am Ende nicht ein Thema komplett.

Das Zeitmanagment

Die meiste Zeit sollte für diejenigen Bereiche zur Verfügung stehen, wo man unsicher ist. Es kann helfen diese Bereiche ganz an den Anfang der Vorbereitungen zu stellen. So hat man diese Sorgen nicht, während man Dinge wiederholt, die einem leichter fallen. Sich auf das konzentrieren zu können, was vor einem liegt, ist unheimlich wichtig um Frustration zu vermeiden. Die nächste Frage ist, ob man lieber in einem Block lernt oder sich die Wochentage auf das Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliche Recht aufteilt. Ich habe immer in zweier Tagesabschnitten gewechselt. So kann man ein Thema immer noch vertiefen. Andererseits bekommt dann auch wieder etwas Abstand, was bei der Problemlösung unheimlich hilfreich sein kann. Niemand kann sagen, wie viel man an einem Tag lernen kann. Eins ist jedoch sicher: Die Aufnahmefähigkeit ist begrenzt. Man sollte versuchen, sich den Tag gut einzuteilen. Nach meinem Empfinden gibt es nichts Schlimmeres als nach 10 Stunden lernen plötzlich ein Problem nicht mehr zu verstehen. Das eigene Lernpotenzial findet man schnell heraus. Für die Zeiteinteilung der selbstständigen Examensvorbereitung ist es wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass es ganz an einem selber liegt, ob man letztendlich erfolgreich ist. Man sollte sich deshalb nicht überfordern. Genauso wichtig ist aber die Disziplin und Selbstkontrolle: Habe ich aus diesem Tag das herausgeholt, was ich konnte? Um sich dafür zu motivieren, sind geregelte Pausen wichtig. Sie helfen das Gelernte zu Verarbeiten, aber auch den Anschluss an das Leben außerhalb der Jurabücher nicht zu verlieren. Die Monate wären mir zu lang geworden, wenn ich nicht versucht hätte mir den Sonntag immer frei zu halten.

Das Lernmaterial

Welche Lehrbücher man mag, hat man wohl bis zur Examensvorbereitung herausgefunden. Mir war es immer wichtig, einen guten Überblick über die Teilbereiche zu bekommen. Schemata sind der Grundstein für eine gute Klausurenlösung. Deshalb habe ich vorwiegend zunächst die Richter-Skripten durchgearbeitet. Vertieft wurde das Wissen dann durch das Klausuren schreiben. Das Klausurentraining ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Punkte bei der Vorbereitung. Kein auswendig gelernter Meinungsstreit hilft, wenn man nicht gelernt hat, das Problem auch in der Klausur zu finden. Viele Themenbereiche kann man viel schneller erfassen, wenn man sie gleich aus dem Zusammenhang mit einer Klausur lernt. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Durch das Schreiben von Klausuren lernt man, sich sachdienliche und fachgerechte Argumente selbst zu überlegen und im Gutachten sprachlich gut darzustellen. Hat man dies gelernt, befindet man sich ganz schnell im guten Punktebereich. Man muss sich immer wieder klar werden: Es wurde schon fast alles irgendwann mal vertreten. Was also rechtlich nicht falsch und folgerichtig argumentiert ist, kann der Prüfer nicht als falsch bewerten. Und hier noch ein wichtiger Punkt: Hat man sich dieses Können angeeignet, braucht man sich keine Gedanken zu machen, dass man mal (was viel öfter vorkommt, als man glaubt) ein Thema in einer Klausur bekommt, über das man wenig bis gar nichts weiß. Für jeden Bereich liegen in den Bibliotheken Bücher mit Examensklausuren. Um auf dem neusten Stand zu bleiben, hilft auch die Lektüre der gängigen Fachzeitschriften, wo Examensfälle veröffentlicht werden. Auch der kostenlose Klausurenkurs von Rauda/Zenthoefer behandelt immer wieder sehr heiß diskutierte Themen. Es ist wichtig sich auf dem neusten Stand zu halten. Deshalb ist auch ein Abonnement von Newslettern empfehlenswert (z.B. www.bundesverfassungsgericht.de/presse.html, www.hrr-strafrecht.de, www.otto-schmidt.de). Die Klausurenthemen im schriftlichen und vor allem im mündlichen Examen sind immer wieder sehr aktuell. Zusätzlich habe ich eine Lerngruppe als überaus hilfreich empfunden. Man unterstützt sich gegenseitig bei der Problemfindung und wird auch auf mögliche Denkfehler viel schneller aufmerksam. Außerdem lernt man zu argumentieren, da die Ansichten teilweise doch stark auseinander gehen.

Zum Schluss

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass jeder individuell entscheiden muss, welchen Weg er geht. Es sollte aber klar sein, dass das kommerzielle Repetitorium nicht der Schlüssel zum Erfolg ist, sondern das Ausnutzen des eigenen Lernpotenzials im Vordergrund steht. Obwohl ich nie eine Musterstudentin war und mich auch lange Zeit im Ausland aufgehalten habe, habe ich mich entschieden, mich auf mein 1. Staatsexamen im Alleingang vorzubereiten. Ich konnte Inhalte in meiner eigenen Geschwindigkeit begreifen und habe so viel schneller (und kostengünstiger) gelernt, worauf es wirklich ankommt. Und hatte letztendlich Erfolg.

Text (c) Maria Rüger

Maria steht Euch für Rückfragen unter mariarueger AT yahoo PUNKT de gerne zur Verfügung.

Noch eine Anmerkung in eigener Sache. Falls Ihr auch Lust habt, einen Gastbeitrag auf zu veröffentlichen, dann schreibt uns einfach eine Mail an info@. Der Beitrag sollte natürlich Bezug zum Juraexamen haben und frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein.

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Join the discussion One Comment

  • Ich selbst habe damals mich für die Variante entschieden, das Examen ohne Rep zu machen. Dank eines tollen Kollegen, einer guten Vorplanung und einem Quäntchen Disziplin, war es eine super Zeit und es hat mir, so meine ich zumindest, ziemlich viel gebracht. Ich kann es also allen eigentlich nur empfehlen.